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Ein Ausschnitt aus der Frankenpost:
Ressort Hof-Stadt
Erschienen am 05.10.2007 00:00
Wettstreit mit Vögelein und Apokalypse
Poetry-Slam | Hedy Richter gewinnt unheimlich, still und leise den großen Preis von Hoffranken
Finale: Gerhard Oelschlegel reimt fröhlich vom Frankenwald, Dichterin Hedy Richter harrt derweil der Dinge Foto: hawe
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Hof – Wem Dichterwettstreit zu prosaisch klingt, der gehe zum Poetry Slam. Wenn den dann die Freie Universalität für Symbolik und Kunst ins Leben ruft und ein Bühnchen in die Wolfsschlucht stellt, sollte Schräges Programm sein. Es sollte so kommen, doch anders schräg – irgendwie anders.
Als sechs Mutige gedichtet, erzählt und gesungen hatten, flammte in der Kneipe die Diskussion auf, wem nun der Antipathie-Preis in Form eines Fasses Bier zustünde, und wem der Pokal des Siegers. So recht wusste es niemand. Auch wenn der den ganzen Abend lärmende und von wohl irritierenden Vorträgen kaum aus der bierseligen Geselligkeit zu bringende Stammtisch durchaus seine Meinung dazu hatte.
Poesie-Pirat Michael Hacker, Initiator des Slams, blieb cool. Aus dem Brillenetui zog er stoisch und entschieden Namen, deren Träger auf die rot-schwarze Bühne wollten. Maria Magdalena Luxemburg erzählte in drollig-märchenhaftem Ton die Geschichte vom Jobcenter Neukölln, die zu unglaublich, zu absurd klang, um unwahr zu sein. Sie las, der Stammtisch brabbelte dagegen, worüber sich die, die zum hören kamen, wieder aufregten. Absurdes Realtheater.
Walter Thums hatte es angesichts durchsetzungsfähiger Menschen, die ihren Eintritt nicht umsonst zahlen wollten, leichter. Der Hofer Dichter verband in seinen Zeilen Unheil und Hoffnung der Stadt Dresden, und übertrug dies in einem weiteren Gedicht auf den Lauf des Lebens. Stille Lyrik, die thematisch fortgesetzt wurde von Kathrin Adam. Die 16-Jährige sang englisch, dann französisch von tragischen und glücklichen Sentenzen im Film des Lebens und dem Blick zurück in die Hippiezeit.
Kritisch, tiefer bohrend und elegant meisterte Hedy Richter einen für sie ungewohnten Auftritt auf kleinem Sofa inmitten einer undefinierbaren Veranstaltung. Vom verwelkten Gewand der Natur, der Apokalypse und Stümpern auf wichtigen Posten sprach sie leise ins Mikrofon und gewann neue Freunde. Die größte Freude an diesem Abend hatte der unbekümmerte Gerhard Oelschlegel. Er liebt den Frankenwald, ließ so über ihm Vögelein kreisen, er schilderte die Waldweihnacht in sich stringent reimender Lyrik und er setzte Lebensweisheiten in Dichtung um. Den harten Kontrast lieferte Odin Stiera. Ätzend-Böses las er lustvoll; am Leben vorbei gelebter Alltag, vergebliche Ausbrüche aus diesem waren sein Thema.
Das Sextett hatte gelesen, Hacker schnaufte durch und ließ abstimmen. Das Bier war schnell vergeben, nach unklarem Votum per Klatschintensität einigen sich Luxemburg und Stiera darauf, das Fass gemeinsam anzustechen. Ins Stechen mussten Richter und Oelschlegel. Jeder hatte seine Fraktion hinter sich, die Entscheidung war umstritten.
Poesie-Pirat Hacker griff ans Ruder und nahm des Votum der ernsthaft Interessierten ernster, als das der Klamauk-Abstimmer – Hedy Richter hatte sich den Großen Preis von Hoffranken erdichtet. Und Hacker will jetzt als Pirat weitersegeln und an einem neuen Hofer Dichterhafen wieder vor Anker gehen. hawe
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